Frühere Programme
Von Krieg und Gewalt betroffene Bevölkerungsgruppen
Boatpeople (1981): Mädchen und Frauen wurden auf der Flucht Opfer von Vergewaltigung, Folter und tödlicher Gewalt auf See. Diese Ereignisse führten zur Gründung des Internationalen Komitees gegen Piraterie.
Guatemala (1983): Systematische sexualisierte Gewalt gegen Mädchen, Massaker an der Zivilbevölkerung und die gezielte Verfolgung indigener Gemeinschaften prägten die damalige Situation. Sentinelles unterstützte Waisenkinder mit Nahrung, medizinischer Versorgung und Kleidung. Darüber hinaus begleiteten wir heranwachsende Mädchen und eröffneten ihnen Perspektiven, um sie vor Ausbeutung und Überlebensprostitution zu schützen.
Menschen am Rand der Gesellschaft
Ältere Frauen und Männer in äusserst prekären Lebenssituationen lebten oft sozial isoliert und ohne ausreichende Unterstützung. Sentinelles leistete bedarfsgerechte Hilfe – von Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung bis hin zu Bildungsangeboten. Die Unterstützung richtete sich konsequent nach den individuellen Bedürfnissen: etwa durch die Bereitstellung von Heizmaterial für eine alleinstehende ältere Frau im Winter oder durch die Verbesserung der Lebensbedingungen einer jungen Frau mit Querschnittlähmung, die ihre chronisch kranke Mutter betreute. Sentinelles setzte sich dafür ein, Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen konkret und langfristig zu unterstützen.
Weiblicher Infantizid (Die Tötung von Mädchen)
In Teilen Südindiens wurden Neugeborene, insbesondere Mädchen, kurz nach der Geburt getötet. Zu den Ursachen gehörten unter anderem die hohen Kosten traditioneller Zeremonien sowie vor allem das Mitgiftsystem. Für viele Familien stellte die Mitgift eine erhebliche finanzielle Belastung dar und konnte langfristige Forderungen seitens der Familie des Ehemanns nach sich ziehen.Ziel des Programms war es, gefährdete Neugeborene zu schützen und ihnen die Chance auf ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen.
Frauen und Mädchen im Kontext von Ehrengewalt
Junge Mädchen und Frauen wurden aufgrund vermeintlicher Verstösse gegen gesellschaftliche Normen verfolgt oder getötet. Dazu gehörten Frauen, die eine intime Beziehung eingegangen waren, ebenso wie Frauen und Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt geworden waren. Häufig wurden diese Taten mit der sogenannten «Familienehre» gerechtfertigt. Viele der Betroffenen wurden von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld verstossen und befanden sich in einer äusserst prekären Lebenssituation. Sentinelles bot ihnen Schutz und Begleitung und ermöglichte ihnen, wenn erforderlich, einen Neuanfang in einem anderen Land.
Die Auroren (Ausstieg aus der Überlebensprostitution)
Aurora war der Name der ersten Frau, die Sentinelles um Unterstützung bat, um aus der Überlebensprostitution auszusteigen. Das Programm wurde nach ihr benannt. Sentinelles begleitete Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Die Unterstützung beruhte auf Vertrauen und einer langfristigen Begleitung und umfasste konkrete Alltagshilfe, Berufsausbildungen, Kinderbetreuung sowie den Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Schutz.
Die Trokosi-Mädchen (Rituelle Sklaverei)
Trokosi ist eine rituelle Praxis, bei der ein junges Mädchen einer Gottheit geweiht wird, um nach traditioneller Vorstellung für die angebliche Verfehlung eines Familienmitglieds zu büssen. Andernfalls, so der Glaube, werde die gesamte Familie mit einem Fluch belegt. In der Praxis werden diese Mädchen den Priestern der Schreine übergeben und häufig über viele Jahre oder sogar ihr gesamtes Leben hinweg als Arbeitskräfte ausgebeutet und sexuell missbraucht. Nach intensiven und langwierigen Verhandlungen konnte Sentinelles zur Befreiung von rund vierzig dieser Mädchen beitragen.
Entführte Kinder
Dieses Programm unterstützte Kinder, die von einem Elternteil widerrechtlich ins Ausland verbracht worden waren – häufig unter Missachtung bestehender Sorgerechtsregelungen. Sentinelles setzte sich dafür ein, die Kinder im Einklang mit den geltenden Sorgerechtsentscheiden zu dem sorgeberechtigten Elternteil zurückzuführen. In Fällen, in denen die zuständigen Behörden nicht oder nur unzureichend handeln konnten, leistete Sentinelles Unterstützung zum Schutz der betroffenen Kinder und ihrer Familien.
Kinder als Opfer pädokrimineller Netzwerke
Dieses Programm richtete sich gegen organisierten kommerziellen Sextourismus und den sexuellen Missbrauch von Kindern. Westliche pädokriminelle Netzwerke organisierten gezielt Reisen, um Kinder systematisch sexuell auszubeuten. Sentinelles informierte und sensibilisierte Reisende bei ihrer Ankunft im Land für die Problematik des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Darüber hinaus trugen eigene Recherchen dazu bei, pädokriminelle Netzwerke aufzudecken.
Die Kindersoldaten
Während des Ersten Golfkriegs wurden iranische Kindersoldaten dazu gezwungen, Minenfelder vor den regulären Truppen zu räumen. Tausende Kinder kamen dabei ums Leben. Nach langwierigen Verhandlungen konnte Sentinelles zur Freilassung von rund einhundert dieser Kinder beitragen und organisierte in Zusammenarbeit mit verschiedenen islamischen Ländern ihre vorübergehende Aufnahme und ihren Schutz.
Mädchen in häuslicher Zwangsarbeit
Viele dieser Mädchen waren erst sechs oder sieben Jahre alt. Sie kamen aus ländlichen Gebieten und aus Familien in äusserst prekären Lebenssituationen. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft wurden sie als Dienstmädchen in die Stadt geschickt. Dort mussten sie lange Arbeitstage leisten, Haushaltsarbeiten verrichten, kochen und oft unter schwierigen Bedingungen leben. Mit zunehmendem Alter waren viele von ihnen sexueller Ausbeutung durch Männer im Haushalt ausgesetzt. Wurden sie schwanger, verloren sie häufig ihre Unterkunft und standen ohne Schutz da. Sentinelles unterstützte diese Mädchen mit Betreuung, Nahrung und Zugang zu einer Berufsausbildung.
Die Kinder auf der Müllkippe
Frauen, Männer und Kinder sammelten und sortierten auf grossen Mülldeponien wiederverwertbare Abfälle, um sie für einen geringen Erlös weiterzuverkaufen. Sentinelles unterstützte Kinder dabei, Perspektiven ausserhalb dieses gesundheitsgefährdenden und ausbeuterischen Umfelds zu entwickeln. Das Programm umfasste Nahrung, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung, den Zugang zu Schulbildung sowie handwerkliche Berufsausbildungen für ältere Jugendliche.
Die Kinder in den Bergwerken
Sentinelles führte Gespräche mit den Familien, um Kindern den Ausstieg aus der gefährlichen Arbeit im Bergbau zu ermöglichen. Viele von ihnen arbeiteten unter Tage als Lastenträger und waren täglich Risiken wie Mineneinstürzen oder Bränden ausgesetzt. Das Programm ermöglichte Hunderten von Kindern den Zugang zu ausreichender Ernährung, medizinischer Versorgung, Schulbildung und später zu einer Berufsausbildung als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) und frühe Zwangsheiraten
Millionen Mädchen weltweit sind von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C) betroffen. Die Eingriffe werden häufig unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt und können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Unabhängig vom kulturellen Kontext stellen sie eine schwere Menschenrechtsverletzung dar und können langfristige körperliche und psychische Schäden sowie in einzelnen Fällen den Tod zur Folge haben. Viele der betroffenen Mädchen werden zudem bereits im Kindes- oder Jugendalter zwangsverheiratet. Sentinelles bot Mädchen, die sich diesen Praktiken widersetzten, Schutz und langfristige Begleitung. Dazu gehörten medizinische Behandlungen, bei Bedarf chirurgische Eingriffe sowie Sensibilisierungsarbeit mit Eltern, Dorfgemeinschaften und lokalen Schulen.
Schwerst misshandelte Kinder
Dieses Programm richtete sich an Kinder, die schwerer körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt sowie extremer Vernachlässigung ausgesetzt waren. Die Misshandlungen fanden sowohl im familiären Umfeld als auch in Institutionen oder im Zusammenhang mit schädlichen gesellschaftlichen Praktiken statt. Sentinelles setzte sich dafür ein, diese Kinder aus ihrem gefährdenden Umfeld herauszulösen und ihnen Schutz sowie langfristige Begleitung zu bieten.